Über Oldtimer, Pferde auf der Autobahn und die kubanische Leichtigkeit

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Oldtimer-Parkplatz

Über Oldtimer, Pferde auf der Autobahn und die kubanische Leichtigkeit

Nach zehn Stunden Flugzeit landen wir in Havanna. Die Winterjacken und warmen Westen, in denen wir in München noch froren, haben wir ins Handgepäck gestopft. Durch den Zoll, ab zum Gepäckband – Havannas Flughafen ist viel kleiner als hierzulande für eine Stadt dieser Größe üblich. Die Koffer rollen an, schneller als gedacht. Wir hieven sie vom Band und machen uns auf den Weg. Nichts wie raus hier und ab in die Stadt! Die Sonne brennt vom Himmel, es hat bestimmt 25 Grad. Für uns fühlt es sich noch viel wärmer an. Sommer im November! Ein Traum!

Schnell ein Taxi gecheckt. Schon jetzt merke ich, dass die drei Jahre Spanisch-Unterricht in der Oberstufe nicht völlig umsonst waren (auch wenn ich das mit 16 Jahren nie für möglich gehalten hätte).

Der Taxifahrer verstaut unser Gepäck im Kofferraum, und wir steigen ein. Der Hyundai Trajet ist etwas in die Jahre gekommen, so wie alle Taxis, die wir sehen. Die Beifahrertür lässt sich von außen nicht öffnen. Kein Problem, man kann ja durch das geöffnete Fenster greifen und die Türe von innen aufmachen. Die Sitzbezüge sind aufgescheuert und durchgesessen, im gesamten Auto fehlt die Innenverkleidung. Das Handschuhfach hat keinen Deckel und sämtliche Armaturen fehlen. Nagelneu glänzt das Pioneer-Radio und ist eindeutig das Highlight des Gefährts. Unser Taxifahrer lächelt und dreht die kubanische Musik noch etwas lauter.

Was fahren kann, fährt! Ganz egal wie und wie lange noch.

Kuba-Cars
Manche Oldtimer sind super erhalten, andere schon etwas rostig … eines haben sie gemeinsam: Sie fahren noch!

Mit offenen Fenstern und richtigem Sommerfeeling geht’s Richtung Havanna. Das Straßenbild, das sich uns bietet, ist einmalig: 1950er-Jahre-Ami-Schlitten und viele Autos der 1990er-Jahre. Nicht zu vergessen viele chinesische Fahrzeuge, wie Geely oder BYD. Und ganz besonders fallen uns die vielen Lada auf. In allen Farben sind die UdSSR-Autos unterwegs, von noch ganz okay bis rostig, rostiger, am rostigsten. Sie tuckern durch die Straßen und sehen dabei so lieb aus! Als hätte man die Autos nachgebaut, die man Kindern mit wenigen, einfachen Strichen auf ihre vollgekritzelten Zettel malt, wenn sie einen auffordern, doch auch was zu zeichnen.

Havannas Straßen
Havannas Straßen

Zwei Dinge stechen sofort ins Auge, wenn man das erste Mal so durch Havanna chauffiert wird: Alles ist grün, sprießt und gedeiht! Riesige Palmen säumen den Straßenrand, üppig bepflanzte Verkehrsinseln und Parks prägen das Stadtbild. Harter Kontrast dazu sind die stets sichtbaren, schwarzen Abgaswolken, die zwischen den Fahrzeugen umherwabern und so manchen Umweltsünder fast zur Gänze einhüllen. Inklusive der Inlineskater, Radfahrer, und 1-PS-Pferdefuhrwerke auf der rechten Spur. Das trübt geruchlich die sommerliche Brise, die uns um die Nase weht, weil wir neugierig die Köpfe aus den Fenstern stecken. Und macht Havanna abseits der Touristenströme absolut authentisch.

Ab nach Havanna ...
Ab nach Havanna …

Apropos Touristenströme:

Wir machen uns am nächsten Tag auf den Weg in die Altstadt. Direkt am Malecon, der Uferpromenade gelegen, besteht der beliebte Stadtteil vor allem aus Restaurants, Souvenir-Läden und Sehenswürdigkeiten. Hierhin verirrt sich keine rostige Karre. Auf allen Plätzen stehen auf Hochglanz polierte Oldtimer in allen Farben – vom Barbierosa Cabrio bishin zum schwarzen Cadillac. Richtig schöne Autos, wahnsinnig gut erhalten und mit viel Liebe gepflegt.

Barbie-Auto in Havannas Altstadt. [Foto von Elisabeth Sageder, www.elisabeth-sageder.com]
Die Fahrer werben die Touristen für einstündige Fahrten durch die Stadt an. Wir können uns nicht zwischen einem Chevrolet und einem Cadillac entscheiden. Schließlich fällt die Wahl auf den roten Chevy, weniger wegen des Autos, sondern mehr wegen des Fahrers.

Stadtrundfahrt im roten Chevrolet
Stadtrundfahrt im roten Chevrolet

Blanco ist sein Name, wie wir kurz darauf erfahren. Er wirbt nicht aufdringlich um uns als Fahrgäste, wedelt nicht wie die anderen mit einer Karte unter unserer Nase herum, sondern gewinnt uns mit seinem Charme. “Salsa oder Reggaeton?” lautet seine erste Frage. Musik beim Autofahren zu hören, ist offenbar hierzulande das Größte. Und so eine Fahrt im Luxus-Oldtimer kann was! Blanco zeigt uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, sein Lieblingsrestaurant und die Medizin-Uni, an der seine Schwester studiert. Die Fahrt vergeht leider viel zu schnell.

Hasta la vista, Habana!

Den Rest des Landes wollen wir auf eigene Faust erkunden und holen nach vier Tagen in Havanna unser Mietauto ab. Die Besitzerin unserer Casa Particular (so heißen die Privatunterkünfte in Kuba) hat uns ein Taxi bestellt. Es ist ein Lada. Wir sind zu viert für zwei Wochen unterwegs. Dementsprechend fällt auch unser Gepäck aus.

Der Taxifahrer beginnt also damit, unsere Koffer in das Kofferräumchen zu schlichten. Nicht alle haben Platz, der Kofferraumdeckel lässt sich nicht vollständig schließen. Kein Problem für den kubanischen Taxilenker, der kurzerhand die übrigen Koffer auf das Autodach schwingt. Auf der Ablage über dem Handschuhfach liegt ein Spanngurt. Wir machen halb Englisch, halb Spanisch darauf aufmerksam. Der Taxler lacht und winkt ab. Was soll schon passieren? Dann geht die Fahrt los. Bei jeder Bodenwelle halten wir die Luft an und blicken angespannt zurück. Doch siehe da, wir kommen samt Gepäck gut bei der Autovermietung an!

Kubanisches Taxi
4 Personen und viel Gepäck? Kein Problem für den kubanischen Taxifahrer und seinen Lada!

Jetzt stehen wir auf eigenen Beinen, ääh, Reifen.

Unser Peugeot 2008 steht schon bereit. Mit zahlreichen Dellen und völlig von einer Dreckschicht überzogen. Man habe ihn in den letzten Tagen unter einem Baum parken müssen, darum sehe er so aus, sagt man uns. Die Dellen markieren wir – ganz Österreicher/innen – penibel im Übernahmevertrag, ganze 17 an der Zahl. Das scheint außer uns niemand so genau zu nehmen, aber wiederholt werden wir gebeten, den Reservereifen im Kofferraum zu inspizieren. Gesagt, getan. Gepäck eingeladen, Radio aufgedreht, losgefahren. Muss ich erwähnen, dass das Radio das neueste im ganzen Auto war und wir problemlos via Bluetooth Musik von Spotify von unseren iPhones abspielen konnten, während der Zustand des restlichen Autos eher okay bis naja war? Verrückt …

Raus aus der Stadt und auf die Autobahn. Wir fühlen uns plötzlich ziemlich einsam und bestaunen die Landschaft, links und rechts der mehrspurigen Fahrstreifen: Palmen, Seen, Rinder- und Pferdeweiden. Während es in Havanna zwar nicht übermäßig viel, aber doch Verkehr gibt, ist hier kaum etwas los. Und eines fällt uns sofort auf: Der Zustand der Straßen ist deutlich schlechter als in der Stadt. Deutlich. Schwarze Flecken, die wir in der Ferne sichten, stellen sich als große Schlaglöcher heraus, die es zu umfahren gilt. Vor einigen dieser Schlaglöcher haben die Kubaner/innen Holzscheite platziert, um sie besser sichtbar zu machen. So fahren wir weiter, mindestens zwei Augenpaare auf die Straße gerichtet und immer wieder bremsend. Ab und zu treffen wir auf andere Autos, auf Pferdefuhrwerke, Reiter/innen auf Pferden, einen zum Bus umfunktionierten LKW, Beiwagenmaschinen – und, und, und. Auch Fußgänger/innen sind darunter, oft mit schweren Säcken auf den Schultern. Die nächsten Häuser oder eine Autobahn-Abfahrt sind noch lange nicht in Sicht, während sie ihren Fußmarsch fortsetzen.

Landstraße
Ob Landstraße oder Autobahn, die Straßen führen immer durch üppige, grüne Landschaften.

Unerwartete Begegnungen

Weiter vorne sehen wir, dass auf den beiden rechten Spuren vor uns Autos stillstehen und Menschen am Straßenrand warten. Ein Unfall? Wir kommen näher. Nein, ein Limonadenstand! Der Standbetreiber winkt uns mit Limonade, abgefüllt in Plastikflaschen und läuft dabei auf die Autobahn. Wir werden langsamer, um keine der herumstehenden Personen zu übersehen, fahren aber dann doch weiter. Wir sind gut mit Wasser versorgt und haben noch fast 100 Kilometer vor uns.

Immer wieder führt die Autobahn unter großen Brücken durch, die Schatten auf die Fahrbahn werfen. Unter den Brücken warten Kubaner/innen auf eine Mitfahrgelegenheit. Nicht selten springen oder laufen sie dabei direkt auf die Fahrbahn, um Autos aufzuhalten. Ganz schön gefährlich, wir bremsen. Einmal beginnen wir mit den Autostoppern zu diskutieren, da sie die Fahrbahn vor uns einfach nicht verlassen wollen. Man hat uns mehrmals davor gewarnt, als Tourist/innen Anhalter mitzunehmen.

Offroad, sozusagen.

Wenn wir eine Autobahn-Abfahrt nehmen (dabei muss man übrigens nicht selten die Spur des Gegenverkehrs überqueren) kommen wir meist auf Landstraßen, die durch viele Felder führen, ab und zu auch durch das eine oder andere kleine Dorf. Etwas außerhalb der Dörfer sieht man Bauern bei der Arbeit. Mit Pflügen, die von Ochsen oder Pferden gezogen werden, etwa. Oder mit Sensen, mit denen sie beinahe endlose Grasflächen mähen. Die Landstraßen sind meist zweispurig, daher bietet es sich an, eine der beiden heißen Alphalt-Spuren zum Trocknen des Getreides zu verwenden. Händisch wird es dort ausgestreut und am Abend auch so wieder in Säcke gefüllt.

Getreide trocknen auf der Landstraße
Wir weichen auf die linke Fahrspur aus, da auf der rechten das Getreide getrocknet wird. Zum Glück ist in Kuba so wenig Verkehr, dass das problemlos funktioniert.

Wir kommen bei unserer Unterkunft, einer Casa Particular an. Das Auto stellen wir auf einem bewachten Parkplatz ab. Als bewachter Parkplatz gilt hier oft auch einfach die Straße vor unserer Casa. Am Abend, wenn es dunkel wird, so ab 22:00 Uhr, kommt der Parkwächter, der für 1 bis 2 CUC pro Auto (umgerechnet weniger als 2 Euro) die ganze Nacht aufpasst, dass keines der Fahrzeuge gestohlen wird. Garagen gibt es hier so gut wie keine – und sie werden auch nicht benötigt.

Kubas Straßen
Keine Werbung, dafür „Por siempre Fidel“ („Für immer Fidel“)- Plakate wie diese prägen Kubas Straßenbild. [Foto von Elisabeth Sageder, www.elisabeth-sageder.com]
Als wir unseren Mietwagen zurückgeben, interessiert die Herren bei der Autovermietung nur eines: Ist der Reservereifen noch vorhanden und intakt? Man glaubt uns kaum, dass wir keinen Platten hatten.

Einmal (fast) quer durch Kuba

Unsere Reise führte uns von Havanna über den Nationalpark Vinales ins traumhafte Cienfuegos und zum Abschluss nach Varadero an den mit Palmen gesäumten, weißen Sandstrand. Meine Highlights auf dieser Route und was ich allen Kuba-Reisenden wärmstens ans Herz lege, erzähle ich euch demnächst (mit mehr Fotos, versprochen)!

Gibt es etwas über unsere Kuba-Reise, das ihr gerne erfahren wollt? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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